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Geschichte

 

Ortsgeschichte


Der Gemeinderat beauftragte Dr. Ernest Menolfi, Basel, mit der Erarbeitung der Ortsgeschichte von Hauptwil-Gottshaus. Das Resultat wird im Spätherbst 2009 vorliegen. Bis dann veröffentlichen wir die vom früheren, leider verstorbenen Archivar Heinz Germann aufgezeichneten, ausführlichen Angaben (ergänzt durch Angaben der Gemeindeverwaltung).

siehe auch Verwaltung/Geschichte!

Müsste man eine Geschichte der ehemaligen Munizipalgemeinde Hauptwil-Gottshaus schreiben, so hätte das schon seine Tücken. Zwar hatten die beiden Ortsgemeinden schon seit 1803 zusammen einen Gemeinderat, dem gewisse administrative Pflichten oblagen. Doch hier ist ja von Geschichte, von historischen Ereignissen, von der Vergangenheit die Rede und da kommen wir nicht darum, die beiden Ortschaften schön säuberlich zu trennen. Denn die Geschichte von Hauptwil und Gottshaus könnte fast unterschiedlicher nicht sein. Also dann halt schön der Reihe nach:

Hauptwyl - Hauptweil - Hauptwil

So lautete die Schreibweise des Dorfes im Laufe der Jahrhunderte. Der Name kommt wohl daher, weil es ehemals der wichtigste Weiler der linksufrigen Liegenschaften der Herren von Blidegg war; er wurde urkundlich 1415 erstmals namentlich erwähnt. Von einem Dorf im heutigen Sinne kann zu dieser Zeit noch nicht gesprochen werden, umfasste es doch keine 10 Gebäude. 

 
Türmli Hauptwil   zum Trauben

Immerhin besassen die Blidegger hier ihr Jagdschlösschen und Gerichtshaus, das als ältestes Gebäude des Dorfes noch erhalten ist. Über etwas darf man aber heute rätseln: Was wäre wohl aus diesem " Hauptweiler" geworden, hätte es da nicht etwas im Überfluss gegeben, nämlich: 

 
Hauptwiler Weiher   Horber Weiher

 

Das Wasser


Um 1430 liess das Chorherrenstift St. Pelagius in Bischofszell im Tälchen zwischen Wilen und Hauptwil fünf Fischweiher anlegen. Zusammen mit dem Dorfbach (Sorne) schafften diese Wasservorkommen ideale Voraussetzungen für das spätere Leinwandgewerbe und die Textilindustrie, die auf das Wasser in verschiedenster Hinsicht angewiesen waren. Um beim Thema zu bleiben, auch wenn dadurch der Chronologie etwas vorgegriffen wird: Ein klug angelegtes Kanalsystem, das die beiden untersten Weiher aus dem Dorfbach mit zusätzlichem Wasser speiste, bildete das Reservoir für die ganzjährige und gleichmässige Versorgung mit dem unentbehrlichen Nass. Ab dem Hauptwiler-Weiher wurde zudem ein Kanal mitten durch das Dorf zu den verschiedenen Verbrauchern erstellt, der wohl seinesgleichen sucht. Doch selbstverständlich mussten ja hinter diesen Aktivitäten Menschen stehen, Persönlichkeiten und Familien, die Hauptwil während drei Jahrhunderten prägten:

Die Gonzenbach's

Die Gonzenbach's verfügten schon vor 1600 über mehrere Liegenschaften in Hauptwil. Die Brüder Hans Jakob I., Bartholome und Heinrich waren in St. Gallen im Leinenhandel tätig. Hemmende Zunftsatzzungen veranlasste Hans Jakob, zusammen mit Bartholome, die väterlichen Liegenschaften in Hauptwil, das Schlössli, die Mühle, die Sägerei und die fünf Weiher mit allen Wasserrechten zu übernehmen. 1664 fällt den Gonzenbachs auch die Gerichtsbarkeit zu. Auch die Vogtei Freiherten, die Mühle Niederwil und das sanktgallische Freilehen Sornthal bringen sie in ihren Besitz. 

Kaufhaus    
Einige Bilder vom Kaufhaus Hauptwil

In wenigen Jahren entstehen in Hauptwil gegen 40 Häuser, vorerst galt es aber, eine systematisch geplante Fabrikationsanlage sowie Handels- und Herrschaftsresidenzen zu schaffen. Bauten wie Schmiede, Ställe, Werkstätten, Walk-, Säge- und Mahlmühlen, Schlosserei, Kauf- Farb-, Mang- und Bleichhäuser entstehen, Wohnungen für die Arbeiter (Kosthäuser) und Wirtshäuser. Aus diesen vorerwähnten Arbeiterwohnhäusern sei der um 1670 entstandene sogen. "Langbau" besonders erwähnt. Er wird im Historischen Bauinventar Hauptwil wie folgt aufgeführt: "Aeltestes bekanntes Beispiel eines Arbeiterwohnhauses in der Schweiz in Form einer Reihung von typisierten Einzelbauten".

 

         Bürobetrieb in alten Räumen
Spittel Hauptwil   Trauben Hauptwil Bürobetrieb in alten Räumen

Am 14. März 1664 wurde Hauptwil durch die Tagsatzung auch das Marktrecht verliehen und im April 1665 erfolgte die vollständige Verlegung des Gonzenbach-Geschäftes von St. Gallen nach Hauptwil. Da die Räumlichkeiten im ererbten Schlössli zu eng wurden, begannen die Gonzenbach's 1664 mit dem Bau des heutigen Schlosses, das Hans Jakob I. 1666 bezog. Die frühbarocke Schlossanlage darf sich sehen lassen. Weitere Bauten aus dieser Zeit sind der Trauben (1665) und das Kaufhaus (1671). Ein Bauwerk dürfen wir aber auf keinen Fall vergessen: Der Torturm, bei uns schlicht "Türmli" genannt, stolzes Wahrzeichen und Wappen unseres Dorfes, wurde um 1670 erbaut. Dieser in der Schweiz einmalige Dorfturm, Bestandteil der Schlossanlage, erinnert mit seinem pagodenartigen Aufbau an die weltweiten geschäftlichen Beziehungen der Leinwandherren bis hin in den fernen Osten.

Da die Gonzenbach's nun dem Stande der Gerichtsherren angehörten, nannten sie sich fortan "von Gonzenbach zu Hauptweil". Hauptwil war damit fast schlagartig vom unbedeutenden Weiler zu einem stattlichen Dorf geworden. Generationen gingen und kamen. Tiefschläge blieben zwar nicht aus, doch Wohlstand, ja Reichtum herrschte vor und der Einfluss der Familie auf das Dorf war übermächtig. Hans Jakob IV. (1754 - 1815) war der letzte Gerichtsherr der Herrschaft Hauptwil und mit ihm begann der Abstieg des für die Gemeinde so bedeutenden Geschlechtes. Der sehr aufwendige Lebensstil kostete sehr viel Geld. Mit dem Verlust der Gerichtsherrschaft (Helvetik) und dem Niedergang des Leinenhandels versiegten zwei Quellen, die einst das Gonzenbach'sche Vermögen begründet hatten. Bis 1879 blieb das Schloss aber noch in ihrem Besitz und verschiedene Nachkommen bekleideten Offiziersposten und Gemeindebeamtungen. Der Name Gonzenbach aber verlor an Glanz und eine neue, bedeutende Dynastie setzte in Hauptwil zukünftig die Massstäbe: 

   
Innenaufnahmen vom Schloss Hauptwil

 

Die Brunnschweiler's


Johann Joachim Brunnschweiler (1759 - 1833) von Haus aus Färber, übersiedelte 1780 von Erlen nach Hauptwil, wo er im Dienste der Familie Gonzenbach stand. Das Leinwandgeschäft begann aber, wie bereits erwähnt, zu stagnieren, so dass sich Johann Joachim bald als Baumwoll-Stück- und Garnfärber selbständig machte und hiezu 1787 die untere Walche (Spittel), 1810 das "Haus am Weiher" und 1812 die obere Walche (Haus zur Linde) erwarb. Mit gutem Erfolg betrieb er zuerst die Indigoblau-Färberei und ab dem Jahre 1823 wurde begonnen, "rot" zu färben.
 

Alter Frohsinn                     
alter Frohsinn   Schlössli Hauptwil Etikette Färberei Brunnschweiler

In seinen letzten Lebensjahren baute Johann Joachim die obere Farb, das erste von der Familie Brunnschweiler erstellte Fabrikgebäude. 1833 verstarb er und das Geschäft wurde von seiner Witwe und Jakob und Emanuel unter dem Namen "J.J. Brunnschweiler,s selig Witwe" weitergeführt. Die beiden Brüder brachten die Rotfarb zu grossem Ansehen und hoher Blüte. Die Gewinne wurden in Landwirtschaftsbetriebe und Wald investiert. Apropos Landwirtschaft; für die Herstellung des Türkischrot wurde unter anderem Ochsenblut und Kuhmist benötigt. 1856 erbauten die Brunnschweiler's die untere Färberei; 1869 wurde die Fabrik bereits vergrössert.

Die Gründerzeit brachte Hauptwil im 19. Jahrhundert die Industriealisierung, vornehmlich durch die Familie Brunnschweiler. Ab 1890 wurde der Firmenname auf "Gebrüder Brunnschweiler" geändert. Als Industrieherren des Ortes hatten die Brunnschweiler entsprechenden wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf das Gemeinwesen. Sie sassen in Orts- und Schulbehörden, waren Besitzer vieler Liegenschaften, vor allem auch aller Arbeiterwohnungen, so dass die Abhängigkeit der Arbeiter von ihrem Arbeitgeber ausserordentlich gross war.

Eine Besonderheit im Bauwesen hatte Hauptwil zu dieser Zeit aufzuweisen. Der Pise- oder Stampf-, auch Lehmbau benannt. Jakob Brunnschweiler (1806 - 1869) lernte diese Bauweise in seinen beruflichen Wanderjahren in Südfrankreich kennen und er erstellte in der Folge mehrere Gebäude in Hauptwil in dieser Bauart. Nebst dem aargauischen Fislisbach ist Hauptwil wohl die einzige Ortschaft, wo solche Pise-Bauten noch erhalten sind.

Rotes Haus (früher Pfarrhaus)  Flugaufnahme 2005

Aber nochmals zurück zur weiteren Entwicklung der Rotfarb! Während des ersten Weltkrieges musste der Betrieb vorübergehend eingestellt werden. Die Fabrikation wurde aber nach Ende des Krieges wieder aufgenommen. Die enormen technischen Umwälzungen und Veränderungen und die dazwischen liegende Krisenzeit haben in dieser Branche dazu beigetragen, dass das Unternehmen, das einst an die 200 Leute beschäftigtete, 1984 geschlossen werden musste. Die Fabrikgebäude der ehemaligen Rotfarb beherbergen heute ein Gewerbezentrum. Geblieben sind auch die repräsentativen Fabrikantenvillen, wie das "Haus zur Rose" (1861), das "Kaufhaus", das "Haus im Garten" sowie das "Haus am Weiher". Die um diese Häuser angelegten Parks verleihen dem Dorf die "grüne Lunge". Wir sind heute noch stolz auf den vielseitigen Baumbestand.


Und noch mehr Textilbetrieb


Der Segen des eingangs erwähnten Wassers und die damit verbundene Entwicklung brachte nicht nur Vorteile. Die einseitige Konzentration auf die krisenanfällige Textilindustrie brachte auch Probleme. Aber vorläufig wurde noch auf Wachstum gesetzt. Im nahegelegenen st. gallischen Sornthal entstand im frühen 19. Jahrhundert ein weiterer Textilbetrieb, der später übriges auch von einem Zweig der Brunnschweiler übernommen wurde. Dieser, leider nicht in unserm Gemeindebann liegende, unter dem Namen ZETAG geführte Betrieb, existiert heute noch. Durch die Initiative des ehemaligen ZETAG-Direktors entstand dort auch ein sehr schönes Textilmuseum.

 
Ehem. Stickerei Anderegg   Ehem. Weberei

1905 errichtete Otto Honegger im Dorfzentrum eine Seidenweberei, die ihren Betrieb 1978 einstellen musste. Im Jahr 1909 enstand an der Waldkircherstrasse eine Stickerei. Auch diesen Betrieb, der längere Zeit auch als Tricotfabrik verpachtet war, und schliesslich von der Firma Anderegg AG, Horn, wiederum als Stickerei betrieben wurde, gibt es nicht mehr. Ein Gewerbeunternehmen hat sich inzwischen in diesem Gebäude eingemietet. Von den Textilbetrieben im Dorf hat keiner überlebt. Wenigstens von einer Firma soll noch kurz die Rede sein, die nicht der Textilverarbeitung diente, nämlich dem am westlichen Dorfeingang liegenden Steinwerk. Von Hans Hoerbst 1896 gegründet, beschäftigte das Unternehmen zeitweilig bis 30 Leute. - Das Steinwerk Müller + Loacker floriert heute unter dem Namen Loacker AG.


Hauptwil  -  das Rütli des Thurgaus


Drei uns nun bereits bekannte Leute, nämlich Hans Jakob Gonzenbach IV. sowie die Brüder Joachim und Enoch Brunnschweiler, leisteten einen namhaften Beitrag zur Erlangung der bürgerlichen Frei- und Gleichheit des Thurgaus (1898). Dies veranlasste den damaligen Thurgauer Denkmalpfleger später zur Bemerkung, man könnte Hauptwil als "Rütli des Thurgaus" bezeichnen.

Im Jubiläumsjahr 1998 weihte der Thurgauer Regierungsrat zwischen dem Schloss und der evang. Kirche eine Gedenktafel ein. Gleichzeitig liess er eine Linde pflanzen. Die Tafel hat folgenden Text:
"Zur Erinnerung an die vor 200 Jahren vom Industriedorf Hauptwil ausgehende thurgauische Befreiungsbewegung und den anonymen Verfasser der "Unmassgeblichen Vorschläge eines Thurgöwischen Volks-Freundes zur Erlangung der bürgerlichen Freyheit und Gleichheit und einer Volks-Regierung vom 23. Januar 1798."

Linde  

Friedrich Hölderlin (www.hoelderlin-gesellschaft.de)

Der berühmte deutsche Dichter Friedrich Hölderlin (1770 - 1843) wirkte im Jahre 1801 für drei Monate bei der Familie Anton von Gonzenbach im Kaufhaus als Hauslehrer. Eine Gedenktafel am Schlössli erinnert an seinen Aufenthalt. Anlässlich der Aufarbeitung der Hauptwiler Geschichte soll einwandfrei festgestellt werden, ob die Gedenktafel nicht eher beim Kaufhaus angebracht werden sollte.

Johann Adam Pupikofer

Im Jahre 1821 erhielt Pupikofer die Stelle als Diakon in Bischofszell und wurde damit auch Schlossprediger in Hauptwil. Kraft dieses Amtes, war er fast 40 Jahre Mitglied und zeitweiliger Präsident unserer Schulkommission. Besondere Verdienste erwarb er sich als Geschichtsschreiber des Thurgaus, Hauptbegründer des Lehrerseminars, Kantonsrat und Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft. 1861 wurde er Kantonsarchivar und 1872 erhielt Johann Adam Pupikofer den Titel "Dr. phil. honoris causa der Universität Zürich".

Schule und Kirche

Schon kurz nachdem die Gonzenbach's nach Hauptwil gezogen waren und die Bevölkerung raschen Zuwachs erhielt, war es ihnen ein Anliegen, eine Schule zu errichten. Die Stiftung der eigentlichen, öffentlichen Schule geht dann allerdings auf das Jahr 1768 zurück, wobei auch katholische Schüler die evang. Schule besuchen durften. Es gab deshalb in Hauptwil nie eine konfessionell getrennte Schule. 1772 fand dann die Einweihung des ersten Schulhauses (späteres Feuerwehrdepot) statt, 1842 wurde das zweite Schulhaus an der Rotfarbstrasse bezogen. Im Jahr 1960 freuten sich die Einwohner und ihre Schüler über das neue, dritte Schulhaus. Die Mehrzweckhalle - im Jahr 1989 seiner Bestimmung übergeben - brachte den Schulen und den Vereinen neue Perspektiven. Die Architektur der Schulhauserweiterung im Jahr 1993 stiess nicht überall auf ein positives Echo. Mit einem Staatsvertrag wurde geregelt, dass die Kinder aus dem st. gallischen Sornthal die Hauptwiler Schule besuchen dürfen. 

               Altes Schulhaus Hauptwil
Schulhaus / später=   Feuerwehrdepot Hauptwil  Schulhaus (bis 1960)

Hauptwil war seit der Reformation vorwiegend evangelisch und wiederum waren es die Gonzenbach's, die mit dem Bau einer Schlosskappelle und der Anstellung eines Schlosspredigers Massstäbe setzten. Joachim Brunnschweiler, der als frommer Mann galt, war der durch die Franz. Revolution und Aufklärung eher liberal geprägten Kirche ein Dorn im Auge. So kam es im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Abspaltung durch religiöse Erweckungsgruppen. Die in der Landeskirche Verbliebenen mussten ihre eigene, 1886 eingeweihte Kirche, jedenfalls ohne jede finanzielle Unterstützung der dominierenden Brunnschweiler bauen. Die im 19. Jahrhundert entstandene Freikirche hat heute unter dem Namen Freie Evang. Gemeinde (FEG) einen festen Platz in der Gemeinde.

Der katholische Bevölkerungsanteil nahm in den letzten hundert Jahren ständig zu. Heute sind die beiden Landeskirchen sozusagen ausgeglichen vertreten. Das Dorf Hauptwil bildete keine eigene Kirchgemeinde. Das Dorf gehört der Katholischen Kirchgemeinde Bischofszell an. Seit dem zweiten Weltkrieg bis 1967 verfügten diese Christen im Schlössli über einen eigenen Gottesdienstraum. im Jahr 1967 wurde im Rondellen-Quartier eine neue Kirche seiner Bestimmung übergeben. 

 
Kath. Kirchen von Hauptwil und St. Pelagiberg


Was da sonst noch war


Das Schloss ging 1879 von den Gonzenbach's an Major Emanuel Brunnschweiler über. Ab 1919 ist es im Besitz der Thurg. Gemeinnützigen Gesellschaft; es diente bis 1951 als Haushaltungsschule. Seit 1952 bietet das Schloss unseren älteren Mitmenschen ein Heim für die alten Tage.1876 fuhr in der Station Hauptwil der erste Dampfzug ein. 1936 wurde die Bahnlinie elektrifiziert und 1898 wurde die Versorgung der Gemeinde sowohl mit Wasser wie mit Strom eingeführt. Auf Initiative des Verschönerungsvereins entstand im Hauptwiler Weiher um 1900 eine Badehütte im Pfahlbauer-Stil. 1972, anlässlich der Weihersanierung, wurde dann ein neue schöne Badeanlage erstellt. Ab 1903 wird der Ortsname Hauptweil auf Hauptwil geändert.

ÄgetliWas die bauliche Entwicklung unseres Dorfes anbelangt, so herrschte während vielen Jahrzehnten, bedingt auch durch die Krisenlage der Textilindustrie, praktisch ein Nullwachstum. Erst ab den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts setzte eine rege Bautätigkeit ein. Durch die Freigabe von landwirtschaftlichem Boden als Bauland an schönsten Wohnlagen, entstanden neue Quartiere und dies, obwohl die Leute in Hauptwil weitgehend auf auswärtige Arbeitsplätze angewiesen sind. Man hatte die hohe Wohnqualität von Hauptwil entdeckt.

Industrie-Lehrpfad und Wakker-Preis


Seit 1995 existiert in Hauptwil ein Textil-Industrie-Lehrpfad, der von Hauptwil via Sorntal nach Bischfszell führt (siehe Industrielehrpfad). 1999 erhielt die Gemeinde den schweizerisch wertvollen Wakker-Preis. Wenn Sie gerne Reisen in die Vergangenheit machen, liegen Sie in Hauptwil goldrichtig. Haben Sie zwischen diesen Zeilen einen Hauch davon verspürt, so soll es uns freuen. 

Orts- und Munizipalgemeinde


Wenn Sie an die früher bekannten Orts- und Munizipalgemeinden erinnert werden möchten, beachten Sie bitte die im Anschluss an die Geschichte von Gottshaus erwähnte Reorganisation der Thurgauer Gemeinden! 

Gottshaus


Sollten Sie den Weg nach Gottshaus suchen, so müssen Sie schon etwas genauer wissen, wohin Sie wollen. Nicht weniger als rund 40 Weiler und Höfe umfasst dieser Gemeindeteil und keiner davon heisst Gottshaus. Die Güter zählten zur frühesten Ausstattung des im 9./10. Jahrhundert gegründeten Chorherrenstift St. Pelagius zu Bischofszell und wurden von den Gotteshausleuten als Lehen bewirtschaftet. Später gingen sie in deren Eigentum über. Daher also der Name Gottshaus für das gesamte Gebiet. Die bedeutensten Weiler, die heute zum Teil zu grösseren Siedlungen angewachsen sind, heissen: Wilen, Trön-St. Pelagiberg und Eberswil. 

   

 

Die Landwirtschaft

dominiert das 10 Quadratkilometer grosse Gemeindegebiet und dehnt sich von Bischofszell her dem linksseitigen Ufer entlang bis zur St. Galler-Grenze aus. "Die Bewohner betreiben fast durchwegs Viehzucht und Milchwirtschaft", schrieb alt Lehrer Ernst Ribi noch 1940. Obwohl die Landwirtschaft auch heute ein sehr wichtiger Faktor darstellt, hat sich seither in der Bewirtschaftung einiges geändert haben.

St. Pelagiberg

Der höchstgelegene Teil der Gemeinde, von wo man eine herrliche Aussicht in den Alpstein und auf den Bodensee geniesst, das ist der St. Pelagiberg. Bischof Salomo III. soll hier schon im 10. Jahrhundert eine kleine Kapelle erbaut haben, eine allerdings nicht gefestigte Aussage. Die erste namentliche Erwähnung geht auf das Jahr 1487 zurück. 1888 wurde die im Hinweisinventar als besonders wertvoll eingestufte, durch den Architekten Studerus aus Augsburg erbaute, jetzige Wallfahrts-Kirche eingeweiht. Neben der Kirche befindet sich das Kurhaus Marienburg, das einerseits als Altersheim dient, anderseits aber auch den vielen Wallfahrern zur Verfügung steht. Die Wirtschaft St. Pelagius hat nicht nur als Gourmet-Restaurant einen ausgezeichneten Ruf; das Haus ist auch im Hinweisinventar der Denkmalpflege als "wertvoll" eingestuft. 

St.Pelagiberg   Hasum
St. Pelagiberg    Hasum


Weiler und Höfe

Unter den im Hinweisverzeichnis erwähnten Weilern und Höfen existieren die meisten schon seit Jahrhunderten. Geschichtsschreiber Pupikofer nannte um 1837 die Zahl von 140 Häusern. 1960 waren es nur gerade 5 Häuser mehr. Bestätigt wird die vorstehende Aussage der alten Besiedlungen auch durch die Sulzberger-Karte von 1818, auf der die meisten dieser Häuser bereits verzeichnet sind. Nicht berücksichtigt darin sind natürlich die grosse Zahl von Umbauten und Erweiterungen. Im Archiv findet sich übrigens eine Tabelle der ersten eidgenössischen Volkszählung von 1850, worin die ausgesprochene Stabilität der Bevölkerungszahlen untermauert wird. Verzeichnet sind 781 Einwohner, davon 370 männliche und 411 weibliche bzw. 349 Katholiken und 432 Reformierte. Als wertvolle Bauten werden vor allem ehemalige Mühlen in Eberswil und Lauften, das Zehntenhaus im Rothen sowie das alte Schulhaus in Wilen eingestuft.

Schule und Kirche

Gottshaus unterhielt längere Zeit konfessionell getrennte Schulen. Das "hintere" Gottshaus verdankt seine erste Schule einem Chorherrn, der 1759 eine entsprechende Stiftung finanzierte. Die Entstehung der reformierten Schule dürfte in den Anfängen des 19. Jahrunderts liegen. Die Kantonsverfassung von 1890 brachte die Aufhebung der konfessionellen Schulen. In den Jahren 1913 und 1914 entstand der Neubau auf dem Hoferberg. Ein besonderer Meilenstein der Schul- und Ortsgeschichte war jedoch der Bezug des neuen Schulhauses mit Turnhalle und Sportplatz im Jahr 1968. Damit erhielten die Einwohner in der weit verzweigten Gemeinde ein kleines Zentrum, in dem in der Zwischenzeit so manche Anlässe sozusagen über die Bühne gingen. 1986/87 wurde die Schulanlage für weitere Klassenzimmer erweitert. Die Schüler/innen erhielten einen Trockenturnplatz.

Obwohl katholisch Gottshaus auf dem Pelagiberg längst ein eigenes Gotteshaus besass, gehörte die Kirchgemeinde lange Zeit zur Pfarrei Bischofszell. Erst 1908 entstand eine eigene Kirchgemeinde. Die evangelischen Bewohner gehören seit eh und je zur Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil. Die kirchlichen Dienste wie Taufen, Konfirmation, Hochzeiten und Abdankungen nehmen sie in der Kirche Hauptwil wahr. 

   
Ehemal. Schulhäuser von Hauptwil und Hoferberg


Freie Bürger – freies Wort

Es ist erstaunlich, den Zusammenhalt dieser weit verzweigten Gemeinde im Verlauf der Jahrhunderte festzustellen. Schon zu Landvogtszeiten liessen sich die Bürger längst nicht alles vorschreiben und befehlen. Manches Dokument im Archiv zeugt von handfesten Zwistigkeiten. Gleichermassen ging es nach 1803 an den Gemeindeversammlungen zu und her und mehr als einmal musste der Vorsitzende Versammlungen vorzeitig abbrechen, weil die Hitzköpfe nicht mehr zu bändigen waren. Da spürt man recht deutlich den Unterschied zu den Hauptwilern; dort wusste man, wer das Sagen hatte.

Das grosse Problem

Wenn man sich die Weiten dieser Gemeinde vorstellt und dabei noch die modernen Kommunikations- und Verkehrsmittel wegdenkt, so bekommt man eine leise Ahnung, was diese Vorfahren zu leisten hatten. Kommt hinzu, dass das hintere und vordere Gottshaus durch das Lauftentobel getrennt sind und die beiden grossen Weiler Stocken und Eberswil (Unterholz) topografisch durch erhebliches Gefälle und einen Waldgürtel auch nicht gerade Tür an Tür mit dem oberen Gottshaus liegen. Der Unterhalt des Strassennetzes, die Distanzen bei den relativ häufigen Brandfällen, die wilde, weitgehend unverbaute Sitter, die mit allen Windungen etwa 10 km der Gemeindegrenze entlang führt, das alles schaffte dannzumal Riesenprobleme. In alten Protokollen und Sammellisten beeindrucken die Fronarbeit beim Strassenunerhalt, sowie die sogenannten Liebesgaben bei Überschwemmungen und Brandunglücken.

Das 20. Jahrhundert

Es ist möglich, dass in den vorstehenden Erläuterungen allzu sehr der Eindruck entstand, Gottshaus sei eine ausgesprochen landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Natürlich gehörten dazu - wie überall - auch Handwerksbetriebe und zwei respektabe Holzbaugeschäfte. In den letzten Jahrzehnten kamen noch etlich weitere Gewerbe hinzu. An ruhigen Wohnlagen in Wilen und Trön-St. Pelagiberg wurde Bauland erschlossen. Es sind neue, grössere Wohnquartiere entstanden, deren Bewohner zum guten Teil ihr Brot auswärts verdienen. 

   
Neuere Wohnquartiere        


Orts- und Munizipalgemeinden
Den Ausdruck "Munizipalgemeinde" kennen viele Neuzuzüger im Kanton Thurgau nicht mehr. Er stammt aus der Napoleon-Zeit. Der Thurgau war praktisch bis zum Ende des letzten Jahrtausends unterteilt in Orts- und Munizipalgemeinden, für auswärtige oft ein schwieriges Problem, mit der richtigen Stelle auf Anhieb kommunizieren zu können! Es brauchte die Motion des Kantonsrats Scheubers, um Bewegung in die komplizierte thurgauische Gemeindereorganisation zu bringen! Der Gemeindedualismus von Orts- und Munizipalgemeinde sollte abgeschafft werden! Das Nebeneinander von drei Behörden, drei Gemeindeversammlungen und drei Verwaltungen hatte ausgedient. 


Munizipalgemeinde Hauptwil


Ihr Hoheitsgebiet umfasste die beiden Ortsgemeinden Hauptwil und Gottshaus. Ihre Aufgaben waren insbesonders: Ausführung der Vorschriften von Bund und Staat: Führung eines Einwohner-, Zivilstands- und Steueramtes; Beaufsichtigung Gastgewerbe; Lebensmittelkontrolle; Soziales.

Ortsgemeinden Hauptwil und Gottshaus
Die beiden eigenständigen Behörden (die Ortskommissionen) bearbeiteten die ihr vom Gesetz her gegebenen Sachgebiete: Bauwesen, Raumplanung, Strassen, Umwelt, Ver- und Entsorgung.

Politische Gemeinde Hauptwil-Gottshaus
Die Stimmbürger der Ortsgemeinden Hauptwil und Gottshaus und der Munizipalgemeinde Hauptwil entschlossen sich an der Urne, aus dem bestehenden Gemeindegebiet eine neue Politische Gemeinde Hauptwil-Gottshaus zu schaffen. Der Grosse Rat war am 5.7.1995 nicht gleicher Meinung, sondern trennte den Weiler Stocken/Breite ab und ordnete ihn der Nachbargemeinde Bischofszell zu. Noch vor 120 Jahren lehnte die Thurgauer Regierung ein gleiches Gesuch ab!

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